Dachsanierung am Baudenkmal: Energetische Sanierung von außen
Bei einem denkmalgeschützten Mehrfamilienhaus in Freiburg mit einer Bausubstanz aus den frühen 1910er-Jahren stand im Rahmen einer energetischen Sanierung die Erneuerung des Steildachs an. Ziel war es, die Anforderungen der Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) zu erfüllen, um die Maßnahme über entsprechende Fördermittel zu finanzieren. Wie bei den meisten Baudenkmälern galt dabei eine doppelte Randbedingung: Das äußere Erscheinungsbild des Daches durfte durch die Sanierung nicht wesentlich verändert werden, während gleichzeitig ein bauphysikalisch einwandfreier, dauerhaft funktionierender Aufbau entstehen musste.
Alte sanierungsbedürftige Dacheindeckung am Denkmalobjekt - eine Dachsanierung war nur von außen möglich
Die Dachsparren stammten aus der Bauzeit, die Innenverkleidung war im Laufe der Zeit ergänzt oder ausgebessert worden, ohne dass dabei eine durchgehend luftdichte Ebene entstanden wäre. Solche Bestandskonstruktionen mit unterschiedlichem Baualter innerhalb eines einzigen Bauteils sind bei Altbauten die Regel, nicht die Ausnahme – und genau das macht eine pauschale Sanierungslösung riskant. Jede nachträglich eingebrachte Dämmebene trifft auf eine Gebäudehülle, deren tatsächlicher Aufbau, Feuchtezustand und Luftdichtheit sich nicht aus Bestandsplänen, sondern nur vor Ort zuverlässig ermitteln lässt.
Rückbauarbeiten an der bestehenden Dachkonstruktion - Alte Dämmungen und Lattungen wurden entfernt
Weil die Dachräume bewohnt waren und die Dacheindeckung erneuert werden musste, fiel die Wahl auf eine Sanierung von außen. Zwischen die bestehenden Sparren wurde eine neue Zwischensparrendämmung aus Mineralfaser eingebracht, darüber eine diffusionsoffene Holzfaser-Unterdeckplatte als zusätzliche Dämmschicht. Entscheidend für die dauerhafte Funktion der Konstruktion war jedoch eine dritte Lage: eine feuchtevariable Dampfbremsfolie, die im sogenannten Sub-Top-Verfahren sowohl im Gefach zwischen den Sparren als auch durchgehend über den Sparren verlegt wurde.
Diese Folie übernimmt eine doppelte Funktion. Zum einen reguliert sie als Dampfbremse den Feuchtetransport durch das Bauteil und passt ihren Diffusionswiderstand jahreszeitlich an – im Winter dicht, im Sommer rücktrocknungsfähig zur Innenseite. Zum anderen bildet sie, weil die bestehende Innenverkleidung diese Aufgabe nicht zuverlässig übernehmen konnte, die vollständig neue luftdichte Ebene der Konstruktion.
Fachgerechter Einbau einer dampfbremsenden und luftdichten Ebene - Sonderlösung durch Sub/Top-Verlegung einer feuchteadaptiven Dampfbremsfolie
Eine solche Konstruktion gilt bauphysikalisch als Sonderkonstruktion hinsichtlich des Feuchteschutzes nach DIN 4108-3 und verträgt keine unabgestimmten Umplanungen während der Ausführung. Gerade am Baudenkmal kommen zwei Anforderungsebenen zusammen, die sich nicht automatisch decken: Das Denkmalschutzrecht begrenzt, was am äußeren Erscheinungsbild verändert werden darf, während die Bauphysik unabhängig davon verlangt, dass Wärmeschutz, Feuchteschutz und Luftdichtheit als zusammenhängendes System funktionieren. Auch Details wie einbindende Giebelwände, die als Wärmebrücke wirken und deshalb oberseitig mitgedämmt werden sollten, oder unterschiedlich alte Anschlusspunkte lassen sich nur durch eine objektspezifische Planung sauber lösen – nicht durch einen Konstruktionsaufbau von der Stange.
Einbau einer hochwertigen Mineralfaserdämmung zwischen den Sparren für einen hochwertigen Wärmeschutz der Dachflächen
Wird die luftdichte Ebene unterbrochen – etwa an einem schlecht verklebten Übergang zur Giebelwand oder an einer nachträglichen Durchdringung für eine Leitung –, kann feuchte Raumluft in die kalte Dämmebene eindringen und dort kondensieren. Oft bleibt dieser Mangel oft über Jahre unbemerkt, weil weder von innen noch von außen ein Hinweis darauf sichtbar ist – bis die Feuchtigkeit die alten Sparren oder die Dämmung selbst schädigt. Diese Schäden lassen sich im Nachhinein nur mit erheblichem Aufwand beheben, da dafür die neue Dacheindeckung erneut geöffnet werden muss.
Einbau einer zusätzlichen Holzfaserdämmung und einer Dachbahn zum dauerhaften Regenschutz der Konstruktion
Eine Dachsanierung, die energetische Anforderungen, Fördervoraussetzungen und denkmalschutzrechtliche Belange gleichermaßen erfüllen soll, sollte nicht beim Dachdecker allein beginnen. Erst eine bauphysikalische Planung, die die konkrete Bestandssituation aufnimmt, den luftdichten Anschluss an allen Bauteilübergängen festlegt und die Wahl der Materialien auf ihre Verträglichkeit mit der übrigen Konstruktion prüft, stellt sicher, dass die neue Dachkonstruktion dauerhaft funktioniert – und dass sich Energieeffizienz und Erhalt der historischen Bausubstanz nicht gegenseitig ausschließen.
Dacheindeckung nach Fertigstellung der energetischen Sanierung gemäß den denkmalrechtlichen Vorgaben