Schimmel in der Mietwohnung: Mit Raumklimamessungen der Ursache auf der Spur

Mieter eines Mehrfamilienhauses meldeten der Eigentümerin wiederkehrenden Schimmelbefall an den Außenwänden mehrerer Wohnräume. Beim Ortstermin waren die betroffenen Flächen bereits gereinigt oder neu gestrichen; nur wenige sichtbare Spuren blieben. Fotoaufnahmen der Eigentümerin aus der Zeit davor zeichneten jedoch ein anderes Bild: großflächige Schimmelbildung an Außenwänden und in Raumecken, massives Kondensat auf den Fensterscheiben, Wasserpfützen im Fensterbereich. Die Bewohner gaben an, regelmäßig zu lüften; beim Termin standen mehrere Fenster tatsächlich in Kippstellung. Zwischen dieser Aussage und den Fotos bestand ein Widerspruch, den eine einmalige Begehung allein nicht auflösen konnte.

Fotoaufnahmen der Eigentümerin: Großflächige Schimmelbildungen im Bereich der Außenwände

Um die Nutzung über den Ortstermin hinaus objektiv zu erfassen, wurden in zwei Räumen Datenlogger installiert, die über rund vier Wochen durchgehend Temperatur und relative Luftfeuchte aufzeichneten. Ergebnis: Im Schlafzimmer lag die Luftfeuchte im Mittel bei rund 67 Prozent, mit Spitzen über 90 Prozent; im Wohnzimmer im Mittel bei rund 63 Prozent, mit Spitzen bis knapp 76 Prozent. Bauphysikalisch gilt eine dauerhafte relative Luftfeuchte über 65 Prozent als erhöhtes, über 70 Prozent als sehr hohes Schimmelrisiko; angestrebt wird ein Wert um 50 Prozent. In beiden Räumen lag die Feuchte über weite Strecken der Messperiode oberhalb dieser Schwellen – nicht als Ausreißer, sondern als wochenlang anhaltender Zustand.

Massive Kondenswasserbildung an den Fensterflächen vorhanden

Diese Größenordnung an Raumluftfeuchte ist bei regelmäßigem Stoßlüften kaum zu erklären: Mehrfach täglich weit geöffnete Fenster tauschen die feuchte Innenluft gegen trockenere Außenluft und senken die relative Feuchte spürbar. Ein Mittelwert von 60 bis 70 Prozent über vier Wochen spricht dagegen dafür, dass die anfallende Feuchtigkeit – aus Atmung, Kochen, Duschen, Wäschetrocknen – über lange Zeiträume in den Räumen verbleibt. Mit der beim Termin beobachteten Kippstellung oder der Einschätzung der Bewohner lässt sich dieser Befund nicht in Einklang bringen.

Die Ursache allein beim Nutzerverhalten zu suchen, wäre dennoch unpräzise. Die gemessene Feuchte gilt für die Raummitte; unmittelbar an einer kalten Wandoberfläche liegt die relative Feuchte durch die niedrigere Temperatur noch einmal deutlich höher, bis hin zur Kondensation. Bei Oberflächentemperaturen von nur 15 bis 17 °C an den Außenwandecken – Folge des fehlenden Wärmeschutzes – reicht bereits moderat erhöhte Raumluftfeuchte für Tauwasser und Schimmel aus. Bei einer gut gedämmten Wand mit Oberflächentemperaturen nahe der Raumluft hätte dieselbe Feuchtebelastung vermutlich zu einem deutlich geringeren Schaden geführt. Die Schimmelbildung ist somit das Ergebnis eines Zusammenwirkens aus geringem Wärmeschutz und unzureichender Feuchteabfuhr – wobei Ausmaß und Umfang der dokumentierten Schäden zeigen, dass ein angepasstes Lüftungsverhalten sie in dieser Größenordnung nicht hätte entstehen lassen.

Datenlogger für Raumklimamessungen wurden in den Räumen aufgestellt

Der Mehrwert der vierwöchigen Messung liegt darin, eine Frage objektiv zu beantworten, die ein einmaliger Ortstermin mit widersprüchlichen Aussagen kaum klären kann: ob die Ursache überwiegend in der Bausubstanz oder im Nutzungsverhalten liegt. Ein durchgehender Datensatz bildet das tatsächliche Raumklima ab – unabhängig davon, wie die Beteiligten die Situation jeweils darstellen.

Raumklimamessungen in den Räumen sorgen für eindeutige Ergebnisse

Kurzfristig ist die vollständige, fachgerechte Beseitigung des vorhandenen Schimmels erforderlich, da von befallenen Flächen ein Gesundheitsrisiko ausgeht; bloßes Überstreichen genügt nicht. Mittelfristig empfiehlt sich eine nutzerunabhängige, feuchtegeführte Lüftung nach DIN 1946-6 – etwa als Abluftsystem in Bad und Küche mit Zuluftöffnungen in Wohn- und Schlafräumen –, damit ein Mindestluftwechsel unabhängig vom Verhalten der Bewohner sichergestellt ist. Langfristig lässt sich das Schimmelrisiko an ungedämmten Außenwänden nur durch eine Anhebung der Oberflächentemperaturen im Rahmen einer energetischen Fassadensanierung dauerhaft ausschließen.

Für Eigentümer, die mit wiederkehrenden Schimmelmeldungen und gegensätzlichen Darstellungen von Mietern konfrontiert sind, gilt darüber hinaus: Eine einzelne Begehung liefert nur eine Momentaufnahme und ist im Streitfall oft wenig belastbar. Eine mehrwöchige Aufzeichnung mit einfachen Datenloggern ist demgegenüber kostengünstig und liefert eine objektive Grundlage, um Bauschaden und Nutzerverhalten sachlich voneinander zu trennen.

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Dachsanierung am Baudenkmal: Energetische Sanierung von außen

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Innendämmung im Baudenkmal: Verbesserter Wärmeschutz der Wohnräume