Flachdach in Holzbauweise: Bauteilsimulation stellt Schadensfreiheit sicher

Bei der Aufstockung eines Wohngebäudes stellte ein externer Sachverständiger im Rahmen einer Begutachtung fest, dass für das Flachdach kein Feuchteschutznachweis vorlag. Das Dach war als nicht hinterlüftete Holzkonstruktion geplant, also ohne Luftschicht, über die Feuchtigkeit abgeführt werden könnte. Nach den allgemein anerkannten Regeln der Technik, insbesondere der DIN 68800-2 und DIN 4108-3, sind solche Konstruktionen nur zulässig, wenn der Tauwasserschutz rechnerisch durch eine hygrothermische Simulation (WUFI) nachgewiesen wird. Ein solcher Nachweis fehlte in diesem Fall.

Flachdach in Holzbauweise ohne Hinterlüftung oder Aufdachdämmung - eine bauphysikalisch anspruchsvolle Konstruktion

Der für das Bauvorhaben verantwortliche Architekt beauftragte daraufhin eine Prüfung der bauphysikalischen Funktionsfähigkeit des umgesetzten Dachaufbaus. Die Simulation der vorhandenen Konstruktion ergab ein eindeutiges Ergebnis: So, wie das Dach gebaut war, ließ sich die Funktionsfähigkeit nicht nachweisen. Immerhin konnten bei einer Bauteilöffnung noch keine Feuchteschäden festgestellt werden.

Bauteilöffnung zur Prüfung der kritischen Konstruktion - in diesem Fall zum Glück noch keine Feuchtigkeit vorhanden

Erst mit einer hygrothermischen Simulation ließ sich rechnerisch zeigen, wie die Konstruktion dauerhaft schadensfrei bleibt: Mit einer zusätzlichen Aufdachdämmung oberhalb der Dachabdichtung. Der Unterschied der durch eine zusätzliche Aufdachdämmung entsteht ist folgender: Je mehr Dämmung oberhalb der Holzwerkstoffplatte liegt, desto wärmer bleibt diese Schicht im Winter – und desto geringer ist dort die Kondensationsgefahr, da wärmere Bauteilschichten weniger Feuchtigkeit aus der Luft ausfallen lassen. Ohne eine Aufdachdämmung verschiebt sich die kritische, kalte Zone genau in die Holzwerkstoffplatte hinein – mit der Folge, dass sich dort über die Jahre Feuchtigkeit anreichert, statt im Sommer wieder auszutrocknen.

Konzeptskizze der neuen Dachkonstruktion - eine zusätzliche Aufdachdämmung sorgt für die bauphysikalische Funktionsfähigkeit

Wie genau der Bauteilaufbau ausgeführt werden muss, lässt sich nicht pauschal beurteilen, sondern nur anhand einer objektspezifischen Simulationsrechnung, die das reale Klima am Standort, die Feuchtespeicherung der Materialien und den Feuchteeintrag durch unvermeidliche Restundichtigkeiten der Luftdichtheitsebene abbildet. Ein vereinfachtes Nachweisverfahren wie das Glaser-Verfahren nach DIN 4108-3, das nur mit einem festen Winter- und Sommerzeitraum rechnet, wäre für eine solche Beurteilung nicht zulässig und liefert falsche Ergebnisse.

Totalschaden bei einem anderen Projekt - Vollständiger Rückbau der Dächer nach nur 3 Jahren erforderlich

Der beschriebene Fall zeigt zugleich, wie leicht eine bauphysikalische Planung versäumt werden kann: Ohne die Begutachtung durch den Sachverständigen wäre die Konstruktion vermutlich unverändert geblieben. Nicht hinterlüftete Flachdächer in Holzbauweise gelten energetisch als attraktive Lösung, bergen aber ein Risiko, das von außen nicht erkennbar ist – ein Feuchteschaden zeigt sich meist erst nach Jahren, etwa durch das Wachstum holzzerstörender Pilze oder Verformungen, und ist dann nur mit erheblichem Aufwand zu beheben.

Durchführung einer hygrothermischen Simulation zur sicheren Planung eines Flachdaches

Für Planer die ein neues Flachdach in Holzbauweise planen, folgt daraus eine klare Konsequenz: Vor der Ausführung sollte immer ein objektspezifischer Feuchteschutznachweis erstellt werden, nicht nur durch eine vereinfachte Tauwasserberechnung oder eine reine U-Wert-Betrachtung. Zeigt eine erste Simulationsrechnung, dass die geplante Konstruktion nicht funktioniert, ist das kein Grund zur Beunruhigung, sondern der eigentliche Zweck des Verfahrens: Anpassungen – etwa an der Dämmstärke oder der Dampfbremse – lassen sich auf dem Papier problemlos vornehmen, während eine Korrektur am fertigen Bauteil erheblich aufwendiger ist. Wer diesen Nachweis frühzeitig in die Planung einbezieht, reduziert das Risiko einer Fehlplanung erheblich.

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Dachsanierung am Baudenkmal: Energetische Sanierung von außen