Innendämmung im Baudenkmal: Verbesserter Wärmeschutz der Wohnräume

Wer ein denkmalgeschütztes Gebäude energetisch saniert, stößt schnell an eine Grenze, die bei einem gewöhnlichen Altbau nicht existiert: Die Fassade darf im äußeren Erscheinungsbild nicht verändert werden. Eine klassische Wärmedämmung von außen scheidet damit aus. Genau in dieser Situation befand sich kürzlich ein Bauherr in Freiburg, dessen denkmalgeschütztes Gebäude zu Wohnraum umgebaut werden sollte. Für die künftige Wohnnutzung mussten Wärme- und Feuchteschutz der Außenwände deutlich verbessert werden, ohne die historische Fassade anzutasten. Die einzige verbleibende Option war eine Innendämmung.

Historisches Objekt mit Denkmalschutz - Ungedämmte Außenwände aus massivem Ziegelmauerwerk

Die Bestandswand bestand aus rund 30 Zentimeter dickem Vollziegelmauerwerk – einem Material, das massiv wirkt, aber eine vergleichsweise hohe Wärmeleitfähigkeit besitzt. Im unsanierten Zustand liegt der Wärmedurchgangskoeffizient weit über dem, was für eine dauerhaft genutzte Wohnung sinnvoll ist. Ohne zusätzliche Dämmung wäre mit hohen Heizwärmeverlusten und kalten, unangenehmen Wandoberflächen zu rechnen. Maßgeblich war hier die Anforderung der Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG), die für die Inanspruchnahme von Fördermitteln einen U-Wert von höchstens 0,45 W/m²K verlangt. Mit einem rund 8 Zentimeter starken mineralischen Dämmsystem ließ sich dieser Wert auf etwa 0,40 W/m²K senken.

Innendämmung mit mineralischen Dämmplatten zur Verbesserung von Wärmeschutz und Energiebedarf

Damit ist die Planung aber noch nicht abgeschlossen – im Gegenteil: Eine Innendämmung ist bauphysikalisch die anspruchsvollste Variante der Dämmung, und eine Dämmstärke allein sagt wenig darüber aus, ob die Konstruktion tatsächlich funktioniert. Der Grund liegt im veränderten Temperaturverlauf innerhalb der Wand. Bei einer Außendämmung bleibt die massive Bestandswand warm und trocken, weil die Dämmebene außen liegt. Wird stattdessen von innen gedämmt, verschiebt sich der Taupunkt – die Stelle, an der feuchte Raumluft kondensiert – in Richtung der Innendämmung. Ohne sorgfältige Planung droht dort Tauwasserausfall, mit entsprechendem Risiko für Feuchteschäden und Schimmelbildung. Innendämmkonstruktionen benötigen deshalb einen rechnerischen Feuchteschutznachweis, der in der Praxis meist als hygrothermische Simulation erfolgt: eine Berechnung, die den Feuchte- und Wärmehaushalt der Konstruktion über ein volles Jahr abbildet, statt nur einen einzelnen ungünstigen Zeitpunkt zu betrachten. Ein Dämmaufbau aus dem Katalog ersetzt diesen objektspezifischen Nachweis nicht.

8 cm Innendämmung mit mineralischen Dämmplatten waren für das Objekt bauphysikalisch optimal

Ein zweiter kritischer Punkt sind die Anschlüsse. Innenwände, die in die Außenwand einbinden, Geschossdecken und Fensterlaibungen unterbrechen die neue Dämmebene und wirken als Wärmebrücken – Stellen, an denen mehr Wärme nach außen abfließt und die Bauteiloberfläche innen kälter bleibt. Genau dort steigt auch das Tauwasserrisiko. Im beschriebenen Projekt mussten deshalb einbindende Innenwände auf einer Länge von mindestens 25 Zentimetern zusätzlich gedämmt und Fensterlaibungen mit mindestens 30 Millimeter Dämmung überdämmt werden, um den geforderten Mindestwärmeschutz einzuhalten. Besondere Aufmerksamkeit verlangen zudem Holzbalkendecken: Die Balkenköpfe im Auflagerbereich der Außenwand müssen vor dem Einbau der Dämmung auf Feuchteschäden untersucht und die Dämmung anschließend luftdicht an die Balken angeschlossen werden. Unentdeckte Vorschäden würden sonst unbemerkt unter der neuen Dämmebene fortschreiten.

Ansicht nach Fertigstellung der Sanierung - durch die Innendämmung wird ein hochwertiger Komfort und Wärmeschutz erreicht

Eine Innendämmung ist technisch machbar und energetisch sinnvoll, sie lässt sich aber nicht anhand einer Faustregel oder eines Herstellerdatenblatts planen. Vor der Ausführung sollte ein objektspezifischer Feuchteschutznachweis per hygrothermischer Simulation vorliegen, alle Wandanschlüsse – Innenwände, Decken, Fenster – sollten einzeln auf Wärmebrücken untersucht sein, und ein Luftdichtheitskonzept sollte festlegen, wo die luftdichte Ebene verläuft und wie Durchdringungen ausgeführt werden. Bei Holzbalkendecken gehört eine Inspektion der Balkenköpfe vor Sanierungsbeginn zum Standard. Wer diese Punkte frühzeitig klärt, vermeidet nicht nur Bauschäden, sondern sichert sich auch die Fördermittel, die eine denkmalgerechte energetische Sanierung wirtschaftlich tragfähig machen.

Zurück
Zurück

Schimmel in der Mietwohnung: Mit Raumklimamessungen der Ursache auf der Spur

Weiter
Weiter

Wasser in der Wärmedämmung: Schutz vor Baufeuchte und Niederschlag beachten