Wasser in der Wärmedämmung: Schutz vor Baufeuchte und Niederschlag beachten
In einem kürzlich fertiggestellten Einfamilienhaus in Betonfertigteilbauweise zeigten sich in der ersten Heizperiode nach Bezug Feuchteerscheinungen an den Außenwänden: An der Fassade bildeten sich Tropfen, die bei niedrigen Außentemperaturen deutlich sichtbar waren. Das Gebäude wurde in sogenannter Thermowand-Bauweise errichtet – einer im Fertigteilbau gängigen zweischaligen Konstruktion, bei der eine innere und eine äußere Betonschale werkseitig mit einer dazwischenliegenden Wärmedämmung zu einem Element verbunden und erst auf der Baustelle mit Ortbeton verfüllt werden. Da das Haus erst wenige Monate zuvor bezogen worden war, stellte sich für die Eigentümer naheliegend die Frage, ob es sich um einen Ausführungsmangel an der noch neuen Konstruktion handelt.
Bauteilöffnung zur Begutachtung der Feuchtebildungen
Bei einer Bauteilöffnung an repräsentativer Stelle zeigte sich: Der außenseitige Rand der Wärmedämmung war in den äußeren 5 bis 15 Millimetern deutlich durchfeuchtet, stellenweise vollständig wassergesättigt. Der übrige, deutlich größere Querschnitt der Dämmung war dagegen trocken; eine Durchfeuchtung der gesamten Dämmebene lag nicht vor. Diese räumliche Beschränkung der Feuchte auf den unmittelbaren Randbereich zur äußeren Betonschale, verbunden mit dem erstmaligen Auftreten der Tropfenbildung bereits in der ersten Heizperiode nach Bezug, spricht deutlich für eine bautechnische Ursache. Beim Einbringen des Ortbetons in die vorgefertigten Wandelemente wird zwangsläufig ein erheblicher Anteil an Anmachwasser eingetragen, von dem ein Teil auch in die angrenzenden Dämmschichten eindringt. Ergänzend ist wahrscheinlich, dass die Dämmebene während der Bauphase nicht durchgehend ausreichend vor Niederschlag geschützt war.
Feuchter Dämmstoff in Fertigteilwand mit Durchfeuchtung im äußeren Teil
Im Winter stellt sich durch die Beheizung des Gebäudes ein Dampfdruckgefälle von innen nach außen ein: Warme Raumluft enthält mehr Wasserdampf als kalte Außenluft, und dieser Druckunterschied treibt die im Bauteil enthaltene Feuchtigkeit in Richtung Außenschale – ein grundsätzlich normales und in der Regel unproblematisches Verhalten. Im vorliegenden Fall wirkt die äußere Betonschale jedoch als vergleichsweise dichte Schicht, die den Wasserdampf nur langsam nach außen durchlässt. Dadurch staut sich Feuchtigkeit gerade im äußeren Dämmrandbereich auf. Sinkt die Bauteiltemperatur an dieser Stelle unter den sogenannten Taupunkt – die Temperatur, ab der Luft die enthaltene Feuchtigkeit nicht mehr halten kann –, kommt es dort zur Kondensation, sichtbar als Tropfen an der Innenseite der Außenschale. Charakteristisch ist dabei, dass die Erscheinung insbesondere bei sehr niedrigen Außentemperaturen auftritt, weil die Bauteiltemperatur an dieser Stelle dann am tiefsten liegt.
Eine ergänzend durchgeführte hygrothermische Simulation zeigte, dass unter den vorliegenden Randbedingungen mit einer vollständigen Austrocknung der Restfeuchte erst nach etwa drei bis vier Jahren zu rechnen ist – ein Zeitraum, der sich vor allem aus der dampfbremsenden Wirkung der Betonaußenschale und der eingebrachten Feuchtemenge ergibt. Der grundsätzliche Wandaufbau selbst ist davon unabhängig als funktionsfähig einzustufen: Das bauphysikalische Grundprinzip „innen dichter als außen" ist eingehalten, sodass eine dauerhafte Feuchteakkumulation durch den normalen Nutzungsbetrieb – anders als durch die einmalige Restbaufeuchte aus der Bauzeit – nicht zu erwarten ist.
Wasserlaufspuren an Bauteilen können auf unzureichenden Schutz vor Niederschlägen hinweisen
Für Eigentümer eines Neubaus mit vergleichbarer Konstruktion bedeutet das: Baustellen sind konsequent vor Niederschlägen und Feuchteeintrag zu schützen. Sofern dennoch Feuchtebildungen auftreten ist es sinnvoll zunächst eine systematische Beobachtung und Dokumentation über die folgenden Heizperioden hinweg, insbesondere, ob die Intensität der Tropfenbildung im Jahresvergleich abnimmt. Eine nachweisliche Abnahme bestätigt die Diagnose und den planmäßigen Fortschritt der Austrocknung.
Da sich der beschriebene Austrocknungsprozess über mehrere Jahre erstrecken kann, empfiehlt es sich zudem, vor Ablauf der gesetzlichen Gewährleistungsfrist an geeigneter Stelle eine Bauteilöffnung vornehmen zu lassen, um den tatsächlichen Feuchtegehalt der Dämmung messtechnisch zu überprüfen. Sollte sich dabei eine weiterhin erhöhte Restfeuchte zeigen, lässt sich rechtzeitig – also noch innerhalb der Gewährleistung – klären, ob weitergehende Maßnahmen erforderlich sind. Wer unsicher ist, ob eine beobachtete Feuchteerscheinung am eigenen Neubau tatsächlich auf Baufeuchte zurückzuführen ist oder eine andere Ursache hat, sollte diese Einschätzung durch eine bauphysikalische Begutachtung vor Ort absichern lassen, da äußerlich ähnliche Erscheinungsbilder durchaus unterschiedliche Ursachen haben können.
Hygrothermische Simulation zur Berechnung des Austrocknungsverhaltens der Bauteile