Vom Sanierungsfall zum Effizienzhaus: Komplettsanierung eines Verwaltungsgebäudes aus den 1960er-Jahren
Ein Verwaltungsgebäude aus dem Jahr 1961 – unsanierte Betonfertigteilfassade ohne nennenswerte Wärmedämmung, veraltete Fenster, eine fossile Gasheizung als einzige Wärmequelle. Energetisch entsprach das Gebäude über sechs Jahrzehnte lang dem Stand seiner Bauzeit. Der Eigentümer stand vor der Entscheidung, das Gebäude entweder schrittweise instand zu halten oder es in einem Zug umfassend energetisch zu sanieren. Angesichts der möglichen staatlichen Förderung fiel die Entscheidung für die Komplettsanierung – und damit für die Beauftragung einer unabhängigen Energieberatung, die das Vorhaben von der ersten Konzeptidee bis zur Fördermittelabwicklung begleitete.
Verwaltungsgebäude aus dem Jahr 1961 - Energetisch weitestgehend im Originalzustand mit sehr hohem Energiebedarf
Gebäude aus dieser Bauzeit teilen meist dieselben bauphysikalischen Schwachstellen: eine massive, aber ungedämmte Außenwandkonstruktion, Einfach- oder frühe Isolierverglasung mit entsprechend hohen Transmissionswärmeverlusten, und eine Wärmeerzeugung, die ausschließlich auf fossilen Energieträgern beruht. Für den sommerlichen Wärmeschutz war in der Regel kein wirksamer außenliegender Sonnenschutz vorgesehen. In der Summe ergibt sich daraus ein Endenergie- und CO2-Ausstoß, der ein Vielfaches dessen beträgt, was ein heute übliches Neubauniveau erfordert – bei gleichzeitig hohem Instandhaltungsbedarf an Fassade, Dach und Fenstern, der ohnehin früher oder später zu einer Sanierung geführt hätte.
Alte fossile Gasheizung zur Beheizung des Gebäudes - hohe Emissionen und ineffiziente Technik waren nicht mehr zeitgemäß
Weil eine energetische Komplettsanierung mit dem Ziel einer hohen Förderung gewünscht war, wurde die Energieberatung frühzeitig eingebunden – vor Planungsbeginn, was für die spätere Förderfähigkeit zwingend ist. Gemeinsam mit dem Architekturbüro und weiteren Fachplanern wurde ein Energiekonzept erarbeitet mit dem Ziel, das Gebäude auf den Stand eines KfW-Effizienzhauses 55 EE zu bringen.
3D-Gebäudemodell zur energetischen Berechnung von Energiebedarf und Einsparungen - Zielniveau KfW-Effizienzhaus 55
Praktisch alle Außenbauteile wurden hochwertig saniert. Die Fassade erhielt eine 180 mm starke Mineralwolldämmung, das Flachdach eine 180 mm starke Dämmung aus PU-Hartschaum; die Dachattika wurde dabei bewusst als Holzkonstruktion ausgeführt, um die Wärmebrücke am Dachrand zu minimieren. Sämtliche Fenster wurden durch eine Dreischeiben-Sonnenschutzverglasung ersetzt, luftdicht und schlagregendicht eingebaut und mit außenliegenden Raffstores für den sommerlichen Wärmeschutz kombiniert.
Sanierung der Fassade durch Fassadendämmung und Einbau hochwertiger Verglasungen mit außenliegendem Sonnenschutz
Bei der Anlagentechnik wurde die alte fossile Gasheizung stillgelegt und durch eine neue Luft/Wasser-Wärmepumpe ersetzt. Auf dem Flachdach kam ergänzend eine großflächige Photovoltaikanlage hinzu. Sie liefert zusätzlichen Strom für den Wärme- und Kälteenergiebedarf und trägt so zusammen mit der Wärmepumpe zu einem hohen regenerativen Anteil an erneuerbarer Energie bei.
Einbau der neuen Lüftungsanlagen und Luft/Wasser-Wärmepumpen auf dem Dach
Der KfW-Nachweis bestätigt: Gegenüber dem unsanierten Ausgangszustand sinkt der Endenergiebedarf um rund 84 Prozent, der Primärenergiebedarf um rund 69 Prozent und die jährlichen Treibhausgasemissionen um rund 57 Prozent. Für den Eigentümer bedeutete das Vorhaben neben der energetischen Wirkung auch einen wirtschaftlichen Effekt: Über die KfW-Förderung floss ein Zuschuss im siebenstelligen Bereich in die Sanierung.
Hocheffizient gedämmtes Flachdach mit neuer Photovoltaik-Anlage zur Eigenstromerzeugung
Die frühzeitige Einbindung der Energieberatung war hier kein optionaler Baustein, sondern Voraussetzung für die Förderfähigkeit: Ein KfW-Antrag muss grundsätzlich gestellt werden, bevor ein ausführendes Unternehmen beauftragt wird. Ebenso entscheidend war die integrale Planung, die Gebäudehülle, Anlagentechnik und Photovoltaik nicht als getrennte Gewerke, sondern als gemeinsam abzustimmendes Energiekonzept behandelt hat – nur so ließen sich die U-Werte der Bauteile, die Wärmebrückenausführung an der Attika und die Dimensionierung von Wärmepumpe und PV-Anlage so aufeinander abstimmen, dass die Stufe KfW-55 sicher erreicht wurde.
Gebäude nach der Sanierung in komplett neuem Erscheinungsbild - hocheffizienter Energiestandard für eine zukunftsfähige und wirtschaftliche Nutzung