Vom 60er-Jahre-Haus zum KfW-Effizienzhaus 55 EE: Wenn Hülle, Technik und PV zusammenspielen

Ein freistehendes Einfamilienhaus aus den 1960er-Jahren befand sich vor der Sanierung energetisch noch weitgehend auf dem Stand seiner Bauzeit: Die Fassade war ungedämmt, die Fenster waren alt, unter der Kellerdecke fehlte jede Dämmung, und beheizt wurde das Haus über eine fossile Heizung aus den 1990er-Jahren. Der Energieausweis ordnete das Gebäude in die schlechteste Effizienzklasse ein. Geplant war eine umfassende Modernisierung, bei der zugleich neuer Wohnraum im Dachgeschoss entstehen sollte – und zwar auf dem Niveau eines KfW-Effizienzhauses 55 mit EE-Klasse, gefördert über die Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG).

Das Einfamilienhaus vor der Sanierung - energetisch weitgehend auf dem Stand der 1960er-Jahre mit sehr hohem Energiebedarf

Gerade der schlechte Ausgangszustand spielte für die Förderung eine Rolle. Mit der Einstufung in die schlechteste Effizienzklasse erfüllte das Haus die Kriterien eines Worst Performing Building (WPB). Für die Planung bedeutete das zugleich eine hohe Hürde: Um vom Stand der 1960er-Jahre auf ein Effizienzhaus 55 EE zu kommen, musste nahezu jedes Bauteil angefasst werden, und jede Maßnahme musste zu den übrigen passen. Gemeinsam mit Architektur und Fachplanung entstand daher ein Energiekonzept, das alle Gewerke von Beginn an aufeinander abstimmte.

Gebäudehülle im Bestand - alte Fenster, ungedämmte Fassade und ein insgesamt stark sanierungsbedürftiger Zustand

An der Gebäudehülle wurden praktisch alle Bauteile erneuert. Für die Außenwände wurde eine Dämmung in Holzbauweise gewählt: Auf dem Bestandsmauerwerk wurden Stegträger montiert – schlanke Holzträger, zwischen denen Raum für eine durchgehende Dämmschicht entsteht. Eine zusätzliche Holzweichfaserplatte verbessert den Wärmeschutz weiter. Den Abschluss bildet eine hinterlüftete Holzfassade, die heute das Erscheinungsbild des Hauses prägt. Die Fenster wurden durch Dreischeiben-Verglasungen mit außenliegenden Raffstores ersetzt, die Kellerdecke erhielt nachträglich eine Dämmung.

Fassadendämmung in Holzbauweise - montierte Stegträger schaffen Raum für eine durchgehende Dämmebene

Am umfangreichsten fiel der Umbau des Dachgeschosses aus. Die Dachflächen wurden energetisch saniert, und neue Gauben schufen zusätzliche, hochwertig gedämmte Wohnfläche unter dem Dach. So entstanden helle, großzügig verglaste Räume.

Holzweichfaserplatte auf der Fassade - zusätzliche Dämmschicht für einen noch besseren Wärmeschutz

Bei der Anlagentechnik fiel die Entscheidung gegen die fossile Heizung und für ein System, das Lüftung, Wärme- und Stromerzeugung miteinander verbindet. Eine zentrale Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung sorgt für einen dauerhaft guten Luftwechsel und senkt die Lüftungswärmeverluste deutlich. Sie entzieht der verbrauchten Abluft Wärme und überträgt sie auf die frische Zuluft. Beheizt wird das Haus über eine Wärmepumpe, die ihre Wärme aus der Lüftung bezieht. Eine elektrische Wandheizung deckt die Spitzenlast an besonders kalten Tagen ab. Hinzu kommt eine große Photovoltaikanlage, verteilt auf mehrere Dachflächen unterschiedlicher Ausrichtung, die über das ganze Jahr hinweg eine hohe Eigenstromnutzung ermöglicht. An die Stelle einer fossilen Einzelanlage trat damit ein abgestimmtes, weitgehend regenerativ versorgtes Gesamtsystem.

Umfassende Arbeiten im Dach - energetische Sanierung der Dachflächen und neue Gauben für mehr Wohnraum

Ob diese Maßnahmen zusammen tatsächlich für ein Effizienzhaus 55 EE ausreichen, lässt sich an einer Liste von Bauteilen nicht ablesen – das zeigt erst die Berechnung. Die Planung umfasste deshalb die vollständige energetische Nachweisführung: die Energiebilanz des gesamten Gebäudes, den Nachweis des sommerlichen Wärmeschutzes und eine detaillierte Berechnung der Wärmebrücken.

Ähnlich verhielt es sich beim sommerlichen Wärmeschutz. Gerade die neuen Räume im Dachgeschoss können sich an sonnigen Tagen aufheizen, und ein guter winterlicher Wärmeschutz verhindert das nicht. Für diese Räume wurde deshalb ein eigener Nachweis geführt. Er betrachtete Sonnenschutz, Glasqualität und Lüftungsmöglichkeiten gemeinsam, statt sich allein auf die gute Dämmung der Gebäudehülle zu verlassen.

Das Haus nach der Sanierung - die hinterlüftete Holzfassade prägt das neue Erscheinungsbild

Das Projekt zeigt, dass sich auch ein Haus am unteren Ende der Effizienzskala auf ein hohes Niveau bringen lässt. Voraussetzung ist, dass Gebäudehülle, Lüftung, Wärmepumpe und Photovoltaik als ein System geplant werden und nicht als Abfolge einzelner Gewerke. Wer eine vergleichbare Sanierung plant, sollte die Energieberatung einbinden, bevor Angebote eingeholt und Aufträge vergeben werden. Nur so lassen sich die Fördervoraussetzungen sicher einhalten und die Maßnahmen so abstimmen, dass der angestrebte Standard nicht nur im Konzept, sondern auch im Nachweis erreicht wird.

Nach der Sanierung kaum wiederzuerkennen - ein Altbau aus den 1960er-Jahren auf dem Niveau eines KfW-Effizienzhauses 55 EE


Durchgeführte Leistungen:

  • Beratungsleistungen Modernisierungskonzept und Thermische Bauphysik

  • Energiebedarfsausweise für Wohn- und Nichtwohngebäude

  • Fachplanung und Baubegleitung KFW-Effizienzhausstandard 55 EE

  • Detaillierter Wärmebrückennachweis

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